Hochtourenkurs FSH 2026 | © DAV Wuppertal/Stefan Strunk
Hochtourenkurs FSH 2026 | © DAV Wuppertal/Stefan Strunk

Bericht über den Hochtouren Grundkurs vom 21. - 27.06.2026 auf der Franz Senn Hütte (2147m)

05.07.2026

Von Corinna Hermey

„Bitte platz nicht“, das war mein Hauptgedanke, als ich zusätzlich noch Helm, Steigeisen und Eispickel außen am Rucksack verstaute. Ich hatte Angst, dass dieser sich, ähnlich wie ein Pop-Up Zelt, einfach entfalten würde und seinen Inhalt unkontrolliert in die Umgebung katapultieren würde.

Aber nichts dergleichen geschah und so konnten wir am Morgen des 21.06. Richtung Stubaier Alpen aufbrechen. Nach Ankunft in Seduck und einem 2,5 - stündigem Aufstieg, sollte die Franz-Senn-Hütte unser Basecamp für die kommende Woche sein - die beste Woche um weg zu sein, da in NRW die 40 Grad Marke Tag für Tag geknackt wurde.

Frühmorgens, wenn wir zum Gletscher aufgebrochen sind, begleitete mich - neben den fünf anderen Teilnehmern sowie Maggi und Stefan – ein sehr zuverlässiger Ohrwurm: „Manche Leute stehen sau früh auf... und dann klettern sie 'nen Berg hinauf... Ihre Füße werden dick und heiß... am ganzen Körper heiß und kalter Schweiß“ (Der Berg ruft – Wise Guys).

Am ersten Tag konnten wir uns zur Abkühlung direkt im Schnee austoben und warfen uns mal bäuchlings, mal rücklings, mal mit Kopf zuerst, mal mit den Füßen einen kleinen Hang hinunter, um in äußerst galanten Manövern das Bremsen mit und ohne Eispickel zu erlernen. Jeder Yogi wäre beim Anblick unserer verschiedenen Variationen und Interpretationen des herabschauenden Hundes vor Neid erblasst.

Die Theorie der Gletscherspaltenbergung, inklusive des Vergrabens eines T-Ankers - was wir zuvor in der Spreeler Mühle gelernt hatten - wurde nun in die Tat umgesetzt.

Ergänzt wurde die Eisausbildung durch Selbstrettungsübungen mittels Prusik und Micro Traxion, das Gehen mit Steigeisen sowie verschiedene Einheiten am Fels: wie z.B. Standplatzbau, Abseilen sowie das Absichern von Mehrseillängen.

„..abends komm' sie glücklich wieder an... wo für sie der harte Tag begann... und nach einer viel zu kurzen Nacht.. wird sich wieder auf den Weg gemacht“ (ja, immer noch der gleiche Ohrwurm...).

Genau so! Aber es hat sich jedes Mal gelohnt...

Neben der erschreckenden Tatsache, dass der Gletscher stark schmolz und von Bächen durchzogen war, sodass das Eisschraubensetzen eher an das Spielen in einer Pfütze erinnerte, konnten wir die Faszination von Gletscherspalten erleben (die, in die man auf keinen Fall reinfallen möchte!) An einem Fixseil gesichert wagten wir auch mal den ein oder anderen Schritt über eine Spalte hinweg.

In dieser Woche wurde nicht nur auf dem Gletscher oder auf dem Berggrat deutlich, was es bedeutet eine Seilschaft zu sein, sondern auch beim Durchschreiten der Froscharmeen im Tal und beim Teilen von Sonnencreme, Tigerbalsam, Kaiserschmarrn und nicht zuletzt wunderbaren Erinnerungen.

Danke an Stefan und Maggi, die uns mit viel Wissen, Erfahrung und Geduld ausgebildet haben!