Gemeinschaftstour Stubaier Alpen | © DAV Wuppertal / Teilnehmende der Tour

Acht Berge

Bericht über die Gemeinschaftstour in den Stubaier Alpen

31.07.2026

Die Stubaier Alpen sind ein in jeder Hinsicht lohnendes Hochtourenziel.

Das Warten hat sich gelohnt. Drei aufeinanderfolgende Jahre ist unsere Gemeinschaftstour zu Zuckerhütl & Co. nicht weit über den Parkplatz unten im Tal hinausgekommen (so wir es denn überhaupt versucht haben), dreimal mussten wir mit ansehen, wie unsere Gipfelträume unter 30 oder mehr Zentimetern Neuschnee versanken. Dieses Jahr nicht.

In neuer, kurzfristig zusammengefügter Besetzung hatten wir, Maggi, Sebastian, Tom Lauritz und Johannes, uns auch dieses Jahr wieder auf den Weg gemacht und als wir am Parkplatz unten im Tal ankamen, schien die Sonne. Das sollte sie in den nächsten Tagen häufiger tun.

Die 900 Höhenmeter zur Nürnberger Hütte (2.278 m) waren schnell geschafft, so dass wir den Nachmittag entspannt bei Kaffee und Spaltenbergungsübungen in der Sonne verbringen konnten. Am kommenden Tag zeigte das Stubai noch einmal seine Zähne. Beim Übergang zur Müllerhütte (3.145 m) bedeckten schon bald dichte Wolken den Himmel, versperrten Nebelschwaden die Fernsicht und setzte ein zäher Nieselregen ein, der uns durch den Tag begleitete. Signalgipfel und Wilder Freiger (3.418 m), unsere ersten beiden Gipfelziele, verschwammen im Dunst und beim Abstieg Richtung Übeltalferner wurde die Orientierung anspruchsvoll.

Der folgende Samstag begann mit strahlendem Sonnenschein und eiskaltem Wind. Die Fernblicke beim morgendlichen Aufstieg waren grandios, obgleich der Klimawandel seine deutlichen Spuren nicht verheimlichte. Im Gratanstieg auf den Wilden Pfaff kehrte die Wärme in den Körper zurück und nach steilem Abstieg ging es über den schneebedeckten Sulzenau-Ferner zum Zuckerhütl-Westgipfel (3.498 m), der auf den letzten Metern mit kurzer, freier Kletterei im 3. Grad überraschte. Im Abstieg nahmen wir noch den Pfaffenkogel (3.366 m) mit und über Sulzenau-Ferner und Wilden Pfaff (3.458 m) ging es zurück zur Müllerhütte, die über das Wochenende bis zum letzten Platz gefüllt war.

Während sich unzählige Seilschaften auf den Weg zum Zuckerhütl machten, ging es für uns am nächsten Morgen auf die weniger prominente, aber mindestens ebenso schöne Sonklarspitze (3.450 m), von wo es zum Hohen Eis (3.388 m) mit seinen Tiefblicken Richtung Siegerlandhütte und Windachtal nicht mehr weit war. Ein kurzer Schlenker zur aussichtsreichen Hoffmannspitze (3.112 m) brachte uns den achten 3000er Gipfel, so dass wir guten Gewissens über den mittlerweile aufgeweichten Übeltalferner zur Hütte zurückkehrten.

Beim Kaffee zogen wir Bilanz: Tolle Hütte (die allerdings im nächsten Jahr pausiert, also beeilen!), knackige Gratklettereien im 1. und 2. Grad und immer noch beeindruckende Gletscher machen die Stubaier Alpen zu einem äußerst reizvollen Hochtouren-Revier, das weitere Besuche verdient.

Für uns ging es am nächsten Morgen bei aufkommendem Nord-Föhn zurück. Beim Anlegen der Steigeisen peitschten uns eisige Graupelschauer ins Gesicht und auf dem Grat zur Signalkuppe zerrten stürmische Böen an Rucksack und Regenhose. Doch mit Überschreiten des Hauptkammes war das schlechte Wetter wie weggeblasen und nach drei Tagen Fels und Eis überwältigten uns Zaunkönig, Bergpieper, Buchfink, Heckenbraunelle und Co. mit ihrem Gesang. Schön.

Text: Johannes Rohleder

Bilder: Teilnehmende der Gemeinschaftstour